Das Wohngebäude Weinsbergstrasse 191-193 charakterisiert sich durch eine klare Gebäudestruktur, bei welcher die Erschließung ein prägnantes Gestaltungselement darstellt. Im Jahre 1970 gebaut, ist es nun in die Jahre gekommen und weist diverse Mängel unterschiedlichster Kategorie auf. Aus diesem Grund wird das Gebäude zur Verbesserung in Funktion und Ästhetik ganzheitlich betrachtet. Das Gebäude ist an der Nordfassade abwechselnd durch Fassadenflächen und eingeschnittene Laubengänge in horizontaler Richtung gegliedert. Die vorgelagerten Treppentürme bilden die vertikale Gliederung der Fassade. Die Neugestaltung nimmt diese vorhandenen Elemente auf und verdeutlicht diese, indem sie in einer warmen, rötlichen Farbgebung gezeichnet werden und dadurch die Funktion des Weges hervorgehoben wird. Gleichzeitig wird eine bessere Maßstäblichkeit der großen Fassade vermittelt. Der gewählte rötliche Ton orientiert sich an der Farbigkeit der näheren Umgebung. In Anlehnung an die ursprüngliche Planung aus dem Jahre 1970, bettet die Sockelzone das Gebäude in den Raum ein und übernimmt mehrere funktionale Aufgaben. Ein vergrößertes Schutzdach bietet neben einem attraktiven Entree eine Aufenthaltsfläche zum Verweilen. Eine zentrale Eingangssituation auf Straßenniveau mit Verteilergang zu beiden Türmen stärkt die Adressbildung und schafft einen Begegnungsraum für die Bewohner. Ein optionaler Rollstuhllift gewährleistet die barrierefreie Erschließung. Folgerichtig bieten die Flächen links und rechts der Erschließungstürme einerseits gesicherte Fahrradabstellflächen sowie einen gemeinsamen Müllraum an.

Visualisierung Eingangssituation

Die natürliche Belichtung der Treppentürme ist zur Zeit äußerst ungenügend. Aus diesem Grund werden die bestehenden Fenster an den Seitenflächen mit einem bewusst aufgesetztem, plastisch vorstehendem Fensterband in Richtung Norden ergänzt. Dieses Fensterband schafft im Inneren zusätzliches Licht und im Äußeren durch sein durchgehendes Glasband Eleganz. Auf der Südfassade wird die Fassadenfläche ebenfalls durch die Farbgebung einheitlicher Markisen und der Gestaltung der Loggienbrüstungen mit der warmen, zart rötlichen Farbe der Nordfassade differenziert. Die Fassade wird mit den flächigen Brüstungen beruhigt, das Schattenspiel tritt hervor und unterstreicht die Plastizität des Gebäudes. Diese Maßnahmen vermeiden das Chaos des Zufalls. Als Ausgleich ermöglicht ein neues System der Brüstungen das Aufnehmen von Blumentöpfen und —kästen in freier und individueller Auswahl. Die Abstellmöglichkeiten sind sicherer und lassen die Pflanzen über die Brüstungen heraus schauen.

1.Preis

Entwurf: Prof. Peter Kulka
Mitarbeiter: Stefan Pflips, Johannes Zerfaß

Visualisierung: Peter Kulka Architektur